Hit me with your Klapperstock - Leseprobe
Leseprobe
Stadt Land Fluß mit B
Betropolitanes
Die meisten Metropolen dieser Welt fangen mit einem B an. Warum das so ist? Schwer zu sagen, aber so ist es nun mal. Rätselhaft auch, warum dieses leicht faßliche Naturgesetz bis heute kaum jemandem bekannt ist. Seit aber Babylon, die Mutter aller Städte, gefallen ist und mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt hat die Völker der Welt (Offb 14,8), seitdem ist die Mehrheit menschlicher Ansiedlungen gehalten, ihren Ortsnamen mit einem weichen Explosivlaut beginnen zu lassen. Beweis: Barcelona, Bochum, Bagdad, Belgrad, Bietigheim, Bombay usw. usf. Ausnahmen: Rom, Oslo. Verblüffenderweise gilt diese einfache Merkregel vor allem für internationale Hauptstädte, wovon Buenos Aires (Argentinien), Bern (Schweiz) und Baku (Aserbaidschan) nur die naheliegendsten Beispiele sind, keinesfalls jedoch für deutsche Landeshauptstädte (Stuttgart!). Indes gerade der Deutsche bei der Wahl seines Bundeshauptstadtnamens kaum von diesem Prinzip abzurücken in der Lage ist: Bonn! Berlin!! Andere Länder scheinen dem B-Nomismus noch weit wehrloser ausgeliefert, dieweil sie nebst der Hauptstadt gleich das ganze Land drum herum unter B im Atlas abgelegt haben: Belgien wird in Brüssel regiert, Burundi in Bujumbura, Brasilien in Brasilia, Belize in Belmopan, nur der Sultan von Brunei kann wieder mal den Hals nicht voll genug kriegen – der regiert nämlich boppelt gemoppelt in: Bandar Seri Begawan. Gott sei Dank aber gibt es, wie gesagt, einige Ausnahmen. Wer wollte auch schon gerne in Bom oder Bslo wohnen?
Baden
Das ist das Badenerland. Es ist ein seltsames, ein hageres, schmächtiges, ja fast schon chileförmiges Gefilde, verlegen hingepappt an den westlichsten Rand des süddeutschen Archipels. Da hängt es nun und kann nicht anders. Und da ist der Badener. Man nennt ihn Badenser. Er zeigt sich nie vor dem Mittagsläuten, ist beachtlich schief gewachsen, stets reizbar und von frappanter Hutlosigkeit. Er neidet jedem seiner Nachbarn die neuen blitzend gelben Gummistiefel, klagt Weh! und Ach! daß er keine hat, was ihm sogleich einen geharnischten Spitznamen („Gelbfüßler“) einbrachte. Vor Fremden läuft er weg und schwingt aus sicherer Entfernung drohend die Faust. Mit Feuereifer schlägt er Mucken tot. Er haßt die benachbarten Schwaben und Alemannen, weswegen diese ihn mindestens so sehr verachten wie jeder gesunde Mensch Karlsruhe. Hauptort aber der Badenser ist Baden-Baden. Das ist typisch und sagt schon alles: Baden-Baden. Man stelle sich nur vor, die Griechen hätten ihre Hauptstadt nicht Athen, sondern Griechen-Griechen genannt. Wer führe da noch hin? Hingegen gondelt die halbe Welt und erst recht die ganze Halbwelt nach Baden-Baden, um sich dort von Kurpfuschern, Quacksalbern und kassenärztlichen Urinpropheten das feuchtwarme Wasser reichen zu lassen. Bis die Brunnenkur anschlägt, wird dem Badenser die Zeit nicht lang. Er träumt von der Abspaltung von Stuttgart, freut sich der frisch gemopsten Gummistiefel und verspeist die mitgebrachte Fliege. Das ist das Badenerland.
Brigach und Breg
So büffeln, ochsen, pauken wir’s, so saugen wir’s ein von Vorschulzeit zu Ewigkeit: „Isar, Iller, Lech und Inn fließen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen“. Genau. Und wer’s nicht glauben mag, für den steht es auf dem „Weserstein“ bei Hann. Münden Wort für Wort in den Fels gehauen: „Wo Fulda sich und Werra küssen, sie ihren Namen büßen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuß, deutsch bis zum Meer der Weserfluß.“ So hilft die Eselsbrücke dem Eleven über den reißenden Bildungsfluß, und selbst bzw. gerade den Ostfriesen hilft sie, ihr Schwemmland zu sortieren: „Welcher Seemann liegt bis neun im Bett?“ fragen sie, und haben damit schon per Initialenordnung ihre Eiländer von West nach Ost sortiert: Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und Borkum. Und so lange zwei Bächlein bis Donaueschingen rauschen, wird auch immer dieser Klassiker gelten: „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg.“ Ohne solche gereimten Didaktik-Tricks und Merkregeln wären wir ja ganz verloren in der Welt, zumal in der feuchten. Jedoch hat die Volkshydronymie nach Hervorreimung dieser Glanztaten auch schon wieder schlappgemacht. Leider. Viel übersichtlicher und verorteter wäre doch der Globus, gäbe es mehr Merksprüche wie diesen hier: „Die Mosel fließt zum Rheine hin, die Donau hat dies nicht im Sinn.“ Oder diesen: „Wo der Neckar trifft den Rhein, kann eigentlich nur Mannheim sein.“ Ein Sachverhalt, der freilich auch andersherum angegangen werden kann: „Wo der Rhein den Neckar trifft, der Mannheimer ins Wasser schifft.“ Mit anderen Worten: „Weser, Naab und Elbe sind niemals nicht das selbe.“ Wie? Das hat auch keiner behauptet? Meinetwegen. Aber was halten sie davon: „In Passau sorgen viele Flüsse für die Passau-Flußkulisse.“ Was? Lerngehalt gleich Null? Na, Sie müssen’s ja wissen!
© Edition Tiamat Berlin 2005


Zurück