Die schärfsten Kritiker der Elche - Leseprobe
Leseprobe
Dies vorweg
Dies ist keine kritische Biographie – weiß Gott nicht. Das sollen andere besorgen. Was will man auch von einem erwarten, der als Aufzuwachsender im Bibelstudium versagte, dafür aber den Arnold Hau und Die Vollidioten auswendig herdeklamieren konnte? Der Gedichte aus der Besternten Ernte zu vertonen suchte? Der jede WimS-Doppelseite umstandslos ihrem Erscheinungsjahr und -monat zuordnen konnte? Der sämtliche erschienene –
– genug der peinlichen Anbiederung. Die Experten werden noch schnell genug herausfinden, welche offenkundigen Mängel dieses Buch birgt: Distanz zur Sache, Abgeklärtheit, Unabhängigkeit und Überparteilichkeit, all das fehlt hier völlig.
Dennoch soll dieser erste Versuch einer gruppenübergreifenden Werks- und Wirkungsgeschichte der Neuen Frankfurter Schule die Gemüter erfreuen. Die schlichten sowieso, die ich herzlich zu Hause an den Büchern begrüße, denn sie sind wie ich. Begrüßt sein sollen aber auch die wißbegierigen Forscher und faktenhungrigen Wissenschafter, ferner ihre Kollegen, die peniblen, pedantischen Erbsenzähler, ohne die selbst eine Kunst wie die Komische gewiß nicht auskäme, nicht auszudeuten und zu erschließen wäre.
Eine starke Handvoll Leutchen, vier Dezennien, knapp 250 Bücher, dazu Theaterstücke, Filme, Lieder, Platten, Klo-Inschriften und sonstiges sprichwörtlich gewordenes Volksgut – mehr ist es ja eigentlich nicht, was diese in Frankfurt am Main residierende Korona neuzeitlicher Komik ausmacht und in der sich Elchkritik und Witzgeschick aufs Vorbildlichste vereinen.
Die Mitglieder der Gruppe, die sich an guten Tagen auch NFS abkürzt, haben sich über die Zeiten hinweg immer wieder selbst kommentiert, dargestellt, thematisiert, portraitiert, gezeichnet oder als Figuren verwendet. Viele dieser Selbstzeugnisse sind freilich voreingenommen, inzestuös und zutiefst befangen. Daher sollen sie auch weidlich genutzt werden.
So gibt es denn für den Hagiographen keinerlei Grund, allzu wissenschaftlich oder gar germanistisch vorgehen zu wollen. Das ermüdet und schafft Verdrießlichkeit, wo sie ganz unangebracht ist. »Humor kann viviseziert werden wie ein Frosch«, wußte schon der amerikanische Erzähler und Satiriker E. B. White, »doch wie dieser stirbt auch jener während der Prozedur.« Daher will ich weitgehend auf unappetitliche Analysen verzichten und den Humor und seinen Niederschlag lieber im Originalzustand präsentieren. Dann haben wir alle was davon.
Auch das Neue Testament wurde nicht von kritischen Biographen des Menschensohnes, sondern von dessen glühendsten Bewunderern geschrieben. Dennoch wurde es ein schöner Bucherfolg.
Frankfurt, am Johannistag 2001
Oliver Maria Schmitt
© Fest Verlag Berlin 2001


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