Der beste Roman aller Zeiten - Die Leseprobe
Leseprobe
„Hey, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Tag, mein Name ist Mick Rademann, und ich freue mich sehr, Sie endlich wiederzusehen.“
„Du brauchst die nicht zu grüßen“, zischte Hollenbach mir zu. „Das sind Arschlöcher.“
„Ich habe eine grundsätzlich positive Grundeinstellung. Ohne die kommt man heutzutage nicht weiter.“
„Ach tatsächlich? Ich habe eine grundsätzlich negative Grundeinstellung und bin damit schon wesentlich weiter gekommen als du.“
„Und deswegen brauchen Sie jetzt wohl einen Coach?“
Die drei gingen in den Raucherraum, um irgendwas zu besprechen. Ich weiß noch, daß Frl. Kurt verständnislos den Kopf schüttelte, als sie abrauschten; daß ich Hollenbach vom Umgang mit den Albanern abriet; daß ich empfahl, diese Verbindung zu lösen, die frei werdende Konfliktenergie positiv umzulenken und sich nicht zum fremdbestimmten Objekt zu machen. Was ihm natürlich nicht paßte. Er wurde pampig.
„Da mußtu mal selber in die Gänge kommen, du Opfer! Mußt dich selbst gegen deine Unterdrücker wenden! Du stehst doch komplett unter der Fuchtel von diesem komischen Professor, dem du werweißwas schuldest. Da mußt du ein Zeichen setzen, Mann! Ich bin ein freies Land, ist das klar? Ich mach, was ich will! Als Schriftsteller mußtu ein unabhängiger Geist sein! Du brauchst Inspiration ohne Ende! Dazu muß man wild und rauschhaft leben! Das kommt nämlich an bei den Weibern!“
„Da kennen Sie sich ja wohl aus, bei den Weibern.“
„Im Gegensatz zu dir schon. Haste ja gesehen.“
„Werden Sie bloß nicht frech! Ira ist meine Freundin.“
„Ich glaube, das sieht sie anders.“
„Sie kann das überhaupt nicht beurteilen. Was fällt Ihnen überhaupt ein – meine Freundin zu lieben!“
„Ich kann nichts dafür.“
„Aber ich war zuerst da.“
„Liebe hat kein Haltbarkeitsdatum, Mann.“
„Klingt wie ein beschissener Romantitel von Ihnen.“
„Stimmt. Muß ich mir aufschreiben.“
Er glaubte noch immer, daß er alle und jede haben konnte, zack, einfach so. Aber die Tour hatte ich ihm gründlich vermasselt. Während Hollenbach im Raucherraum war, schickte ich Ira eine SMS: „Ich bin ziemlich sicher, dass ich dich liebe!“ Von Hollenbachs Handy natürlich. Sie simste sofort zurück, ob das wirklich mein Ernst sei. Ich antwortete: „Ja, aber ich bin Mick, habe Hollenbachs Handy. Der glaubt, er könbne dich jederzeit flachlegen.“ Damit war sie erst mal versorgt. Aber nicht lange. Als mich der Prosaist kurze Zeit später nach Geld für eine fünfte Runde fragte, klingelte sein Handy.
„Du Aaaaarschloch!“, brüllte Ira mir ins Ohr.
Ich schaute Hollenbach an. „Ira ist dran. Sie sagt, sie sei verrückt nach Ihnen.“
„Ich bin auch rattenscharf auf sie, sag ihr das.“
„Herr Hollenbach findet dich äußerst apart, Ira.“
„Er kann sich ins Knie ficken!“ schrie sie.
„Sie sagt, sie möchte sexuell mit Ihnen einiges ausprobieren.“
„Sag ihr, ich mache alles mit.“
„Herr Hollenbach ist zu allem bereit.“
„Ich scheiß auf diesen Wichser, und auf dich erst recht, du Kanaille!“
„Sie sagt, sie möchte schmutzige Sachen zu Ihnen sagen.“
„Sag der kleinen Schlampe, ich hätte schon ’nen ganz breiten Gang.“
„Herr Hollenbach hat seine Spermien schon kaltgestellt, Ira.“
„Ihr perversen Säue, ihr seid so kaputt!“ Sie legte auf.
„Sie sagt, sie geht kaputt auf Sie und hat aufgelegt.“
„Na bitte, man muß eben mit den Frauen reden können.“
© by Rowohlt Berlin Verlag 2009


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